mednetbern - Hausärzte Netzwerk der Region Bern

Wenn vergleichen, dann bitte fair !

Vorbemerkung: es geht hier wirklich um Grössenordnungen, wie sie für Hausärzte in städtischer Umgebung etwa typisch sein könnten. (ich habe das von meinen eigenen Zahlen und publizierten Ärzteinkommen extrapoliert und erhebe keinen Anspruch auf buchhalterische Perfektion)

Die Frage lässt sich ja auch ganz anders stellen/beantworten: warum finden die meisten Hausärzte, die in Pension gehen, keinen Nachfolger ?!!

Gerne werden Ärzteeinkommen als störend hoch dargestellt, ohne den korrekten Bezug zu einem Vergleichs-Angestellten-Stundenlohn zu machen. (Beispiel: Hausarzteinkommen = 180'000 - was jammern denn die?!) Korrekterweise muss genau angegeben werden, ob es sich um ein Brutto- AHV- oder anderes Einkommen handelt. Von den herumgebotenen Zahlen müssen meist noch buchhalterisch kompliziert grosse Abzüge für Sozial- und andere Versicherungen und allenfalls noch für Abschreibungen in der Grössenordnung von 30'000 bis 50'000 gemacht werden. Bereits schrumpft in unserem Beispiel das effektive Einkommen auf vielleicht 140'000.-

Umrechnung auf Stundenlohn (Annahmen 55 Std.Woche =tgl.11 Std, 220 Arbeitstage =2420 Std) = Stundennettolohn 58.- Diese Zahl passt  realistisch zu den Annahmen (Grössenordnung) des Tarmedtarifs: Umsatz pro Stunde 180.- "Nebenkosten" 120, Nettogewinn 60.-

Jetzt beachten Sie bitte, dass ein Arzt während seines 6 jährigen Studiums nichts und während der folgenden Spitalzeit wenig verdient (Annahme 8 Jahre, 4500.-, 55 Stundenwoche) seine Praxis mit 34 Jahren eröffnet (als erstes rund 500'000 Schulden für die Praxisinveststionen aufbringen muss) und erst dann voll (wie oben) verdient. Daraus lässt sich ein Lebens-durchschnitts-stundenlohn von 45.- abschätzen.

180'000 = 45.- pro Stunde =doppelter Ansatz der Raumpflegerin = hätten Sie das gedacht?

Wenn Sie immer noch zögern: mein erster Lohnausweis: 1986, 2740.-mindestens 70-80 Stundenwoche, entsprechend einem Stundenansatz von Grössenordnung 10 Franken (!)