mednetbern - Hausärzte Netzwerk der Region Bern

Die Ursachen der Kostenexplosion (= Steigerung über dem Landesindex) sind vielfältig und werden oft emotional und unsachlich diskutiert. Schuldzuweisungen statt Lösungsansätze beherrschen die Diskussion.

Altersstruktur: Das zunehmende Durchschnittsalter der Bevölkerung ist einer der ganz zentralen Punkte: je älter ein Mensch, umso mehr Kosten wird er verursachen - das gilt insbesondere für die letzten Lebensmonate.
Technologische Fortschritte ermöglichen oft sensationelle Verbesserungen, auf die wir zu Recht nicht verzichten möchten, sind aber gleichzeitig auch ein Hauptgrund für die überproportionale Kostensteigerung.

Diese beiden mengenmässig dominanten Themen sind aufgrund ethischer Prinzipien (ältere Menschen) und der andauernden Weiterentwicklung (meist teurer) technologischer Möglichkeiten nur schwierig/kaum beeinflussbar. Bereits damit werden die Kosten auch weiterhin über dem Landesindex steigen. Bleiben wir in unseren Erwartungen realistisch!

Werden denn von Ärzten zu viele und unnötige Abklärungen und Therapien verordnet? = falsche Anreize. Ganz aus der Welt zu schaffen ist die Frage nicht - bestimmt ist gerade in diesem Punkt die Grauzone sehr breit: was dem einen noch ganz normal scheint, ist dem andern bereits zuviel. Ein sinnvoller Kontrollmechanismen ist die "second opignon", welche in einem Hausarztmodell automatisch eingebaut ist.  Sinnvoll ist bestimmt auch eine Tarifierung, welche intellektuelle und operative Tätigkeiten eines Arztes vergleichbar honoriert. Das war das erklärte Ziel von Tarmed; erreicht wurde es bei weitem nicht !!!


Zum Dauerbrenner und Standard-Sündenbock Ärzteeinkommen ist zu bemerken, dass die Verhältnismässigkeit der Hausarzteinkommen heute auch politisch anerkannt ist. Trotzdem möchten wir bitten, die oft publizierten Zahlen korrekt auf einen Angestelltenlohn umzurechnen. Die enormen Einkommensunterschiede zwischen unterschiedlichen Ärztgruppen haben nicht wir Hausärzte zu verantworten. 

Bei den Krankenkassen sind aus unserer Sicht vor allem die Billigkassen und die kritiklose Handhabung der Statistik gegenüber Ärzten (sog. Ärzteindex) zu bemängeln und zu korrigieren. (Detaillierter Text folgt)

Beachten Sie bitte auch, dass trotz noch nicht ausgeschöpften Rationalisierungsmöglichkeiten bei besonders schwachen Gruppen betagter und schwer/chronisch kranker Menschen eine schmerzhafte und ethisch fragliche Rationierung meist verdeckt bereits eingesetzt hat (zB. in Alters- und Pflegeheimen) und Zweiklassenmedizin (zB. bei der Hospitalisation psychisch erkrankter Patienten) bereits Alltag ist.

Trotz aller Spar-Anstrengungen wird nächstens derZeitpunkt kommen, im dem wir unsere höchsten Güter Gesundheit und Leben gegen Luxus, Wohnungen, Autos und Ferien werden abwägen müssen. Gleichzeitig wird auch die Solidarität zwischen jung/gesund und alt/krank auf eine zunehmend härtere Probe gestellt werden.

weiter im Rundgang Gesundheitspolitik